Ein Erlebnis jagt das naechste!

Es ist unfassbar, welche Fuelle von Eindruecken ich hier aufzuschreiben vermag. Jeden Tag sind es neue Impressionen, die mich befluegeln, zum nachdenken anregen und immer neue Fragen aufwerfen.

So erlebten wir am gestrigen Tage in Jaipur ein kleines, fuer mich jedoch sehr grosses religioeses Fest. Wir standen an einem Strassenzirkel und genossen einfach so die Stadt. Da alle Geschaefte unerwartet geschlossen hatten, der Grund war irgendeine Art religioeser Protest, genau habe ich ihn bis jetzt nicht verstanden, in jedem Fall konnten wir so die Stadt viel mehr geniessen als wenn alle GEschaefte offen gewesen waeren.

Jungen in Jaipur

Jungen in Jaipur

Wir standen an diesem Kreisverkehr und erblickten ein paar Treppen, die ein Dach hinauffuehrten. Wir beschlossen sie zu besteigen , um zu schauen, was es dort zu entdecken gaebe. Vorbei an unzaehligen, wundersam duftenden Staenden, die Blueten in allen Farben verkauften, zogen wir Richtung Dach. Wir sassen eine Weile am Ende Der Treppen und genossen den Ausblick auf eine Gruppe Kartenspielender Maenner , auf die Menge von attraktiv aussehenden Polizisten, sowohl in blau , als auch in braun liefen und standen sie an dem Zirkel versammelt. Da erschienen drei Jungs, nicht aelter als 7 Jahre. Sie lachten und turnten vor uns am Gelaender rum. Es waren muslimische Jungs, das erkannten wir an ihre weissen Haekelkaeppchen. Eine Weile spaeter erschien ein Mann und winkte uns zu, dass wir mitkommen koennten aufs Dach. Ohne lange zu ueberlegen folgten wir ihm. Wir zogen unsere Schuhe aus und betraten eine kleine Ecke auf dem Dach, die mich vom ersten Anblick an beschwingte. Die Jungs , der Mann, vermutlich ihr Vater und ein etwas aelterer Sohn sassen im Lotussitz , vor Ihnen stehend eine Porzellangebilde, welches eine Kuppel wie eine Moschee hatte, ein kleines Tuerchen, in welches Blueten gelegt wurden, viele Raeucherstaebchen verzierten mit ihrem Weihrauchduft die Luft. Zwei Frauen in Saris sassen ebenfalls dort , eine dicht an dem kleinen Porzellangebilde, die Haende an gefaltet, die Augen geschlossen, spuerte ich ihre Hingabe und Versenkung . Die zweite Frau sass in einer 

 Ecke, des kleines Ortes auf dem Dach und beobachte von dort aus die Zeremonie, nein sie nahm von dort aus teil mit einem Laecheln auf dem Gesicht. Es waren nur wenige Leute, es kamen immer wieder welche , brachten Blueten, Raucherstaebchen, Geld oder andere Gaben und gingen wieder. Das beruerhendste an der ganzen Zeremonie war die Musik. Der Vater spielte auf einer Art Piano, ein kleines Instrument, in der Form dessen, jedoch stand es vor ihm auf dem Boden, er sass im Lotussitz dahinter und spielte es, rechts neben ihm sein aelterer Sohn, ganz in weiss, strahlende Augen, ernster Blick, sang und sprach er die Laute, die drei kleinen Jungen sassen im Kreis um den Vater und sangen ebenfalls. EIner von ihnen spielte auf einer Trommel, die auf seinem Schoss lag und s gut wie ich es selten hoerte diese Zeremonie in Stimmung brachte. Dabei laechelte er uns oft an und lukte neugierig um die Ecke ob wir noch da sein. Was dort geschah und was ich fuehlte wird mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben!

Ein weiteres Erlebnis geschah heute. Sylvi hatte schon seit ein paar Tagen mit einem Maedchen den KOntakt gehalten, bei der wir in Jaipur uebernacht haetten koennen. Verschiedene Umstaende liessen es nicht dazu kommen. Dennoch war es ihr Wunsch uns zu treffen bevor wir Jaipur an diesem Abend verlassen wuerden. Schliesslich kam sie an diesem Morgen zu unserem Hostel. Es war zehn Uhr als sie erschien, ich denke es war das erste Mal, dass ein Inder puenktlich zur verabredeten Zeit eintraf. Sie sagte, dass sie uns sehr gerne noch zu sich nach Hause einladen wuerde. Sie waere mit Auto  da und wuerde im Anschluss sehr gerne noch mit uns zu einer Austellung ueber Gandhi gehen wollen. Wir waren einverstanden und sagten, dass wir noch zehn Minuten braeuchten um unser Gepaeck zusammenzusuchen, da wir bis 12 Uhr das Zimmer verlassen muessten. Gesagt getan.

Entzueckende Gastfreundschaft

Entzueckende Gastfreundschaft

20 Minuten spaeter sassen wir in einem klimatisierten Mitsubishi mit graufarbener Lederverkleidung, Holzverzierung und Chauffeur im weissen Anzug. Ja, ihr lest richtig.

Ihr Vater hat in Deutschland studiert. Sie ist 23 Jahre jung und arbeitet bei der Zeitung in Jaiput und wohnt noch zu Hause. Die Toreinfahrt war verschlossen mit einem grossen schwazen gusseisernem Tor, umgeben von einer weissen Mauer war das Haus. In goldener Schrift, stand der Name der Familie am Tor. Im Haus fuehlte ich mich wie ein Bollywoodstar. Genau das war die Art von Wohnumgebung, welche ich oft aus den Filmen kenne. Marmorboden, unzaehlige Antiquitaeten, grosse Familienbilder wunderschoene Vorhaenge etc. Ich muss noch erwaehnen, dass auf den Familienbildern unter anderem, der Koenig von Jaipr , der Prinz von Jodhpur, Prinz Charles und der Dalai Lama zu sehen waren. Ja, irgendwie hatte diese Familie zu all diesen Menschen Kontakt.

Das sind die Gegensaetze die es hier zu erleben gibt, und das nicht wenig. Gestern noch angebettelt worden von einem Fahrradriskhamann fuer eine Fahrt fuer nur 5 INR einzusteigen, heute in einem klimatisierten Auto genau neben einer dieser armen Menschen an der Ampel stehen.

Und alle leben sie miteinander in einer Fuelle und Enge wie ich es bisher nicht kannte.

~ von sylvines am Juli 4, 2008.

Eine Antwort schreiben