Der Frieden ist bei uns …

… oder AMRITSAR ist WUNDERBAR. Wir sind an einem Ort gelandet, der uns beiden sehr gefaellt! „Und das mag was heissen!“ – Zitat Sylvia :) . Am goldenen Tempel in Amritsar.. Nach 10 stuendiger Zugfahrt gestern sind wir in dieser Stadt angekommen. Eigentlich haette die Fahrt lediglich 8 Stunden dauern sollen, doch irgendwann blieb die Bahn schlichtweg stehen. Wir kuemmerten uns nicht darum, niemand schien sich darum zu kuemmern. Hier in Indien lernt man schnell zu akzeptieren, wenn irgendwas fuer uns scheinbar ungewoehnlich laeuft. Ungewoehnliches wird gewoehnlich. Nachdem eine Stunde Stillstand vergangen war, begannen wir doch uns zu fragen was denn los sei. Nachdem die Haelfte der Inder bereits nach zehn Minuten aus dem Zug sprangen und ihre Runden draussen gingen, machten wir das dann auch nach ueber einer Stunde. Es stellte sich heraus, das irgendwas mit der Technik nicht in Ordnung war. Unsere beiden maennlichen Begleiter aus Berlin kamen von ihrem Rundgang nach 30 Minuten zurueck und zeigten uns mit Begeisterung das Filmchen, welches sie aufnahmen, als das Problem der Technik zu loesen versucht wurde. Es wurde eine neue Lok vorne angespannt, sah aus wie eine Dampflok, war auch eine! Es war das Ereignis schlechthin, unzaehlige Inder ernannten sich als Fachmaenner und koordinierten alles mit. Nach zwei Stunden Stillstand ging es dann weiter.

Amritsar ist die Pilgerstaette der Sikhs. Die Sikhs sind eine Mischung aus dem Hinduismus und dem Islam. Sie leben hauptsaechlich in der Region Punjab in Indien. Sie entstanden im 15. Jahrhundert aus dem Widerstand gegen das im Hinduismus existierende Kastensystem. Sie sind ganz offensichtlich an einem Turban zu erkennen, welche auf verschiedene Art und Weisen gebunden werden kann. Unter diesem tragen sie langes Haar, welches eigentlich selten bis nie sichtbar ist. Sie sollen ihr Haar wachsen lassen, wie es von Gott gegeben worden ist. Ausserdem tragen sie einen Kangha, einen Holzkamm fuer die Haarpflege, einen Kirpan, das ist ein Dolch oder ein Saebel, welches zur Selbstverteidigung, aber  vor allem auch zur Selbstachtung, Gnade und zum schuetzten Schwacher getragen wird, einen Kadha, das ist ein silberner Armreif, welcher heute die Gemeinschaft symbolisiert, frueher aber auch zum Schutz gegen Schwerthiebe diente und eine Kachera, eine kurze Unterhose, welche der Hygiene dienen soll. Frueher war es nicht immer ueblich eine Unterhose zu tragen. Es gibt noch so viel mehr interessantes ueber diese neu entstandene, fuer mich sehr friedvoll und liebend wirkende Religion zu sagen.

Hier in Amritsar gibt es viele Sikhs, wir haben schon mit einigen sprechen duerfen und waren immer sehr positiv ueberrascht , sie sind sehr offen, freundlich und ehrlich. Entegegen unser bisherigen Erfahrungen mit Indern, welche uns ansprechen, wollen sie wahrhaftig nur reden und selten etwas verkaufen. Die meisten Menschen sehen in unseren weissen Gesichtern nur „Money , Money“. Leider ist es so. Sie sind trotzdem sehr freundlich und wenn man offen spricht auch hoeflich und gastfreundschaftlich, doch oft bleibt einen kleiner Beigeschmack.

Wir schlafen hier im Tempelkomplex. Viele Pilger tun es uns gleich. Kost und Logie sind hier frei fuer jeden der es wuenscht. Fuer auslaendische Touristen gibt es extra Schlafsaaele und ein paar kleine Zimmer, in denen bis zu drei Naechte uebernachtet werden kann. Die Betten sind einfach Holzpritschen, Matratzen gibt es nicht. Auf jedem Bett liegen zwei meist schon sehr mitgenommen aussehende Decken drauf, welche das Holz ein wenig weicher erscheinen lassen sollen. Fuer meinen Anspruch kann ich nur sagen perfekt. Der Futon auf dem ich seit einiger Zeit schlafe ist ebenso hart, vielleicht war das der Grund, warum ich so gut wie noch nie hier in Indien die gestrige Nacht gechlafen habe. Vielleicht aber lag es auch an dem heiligen Ort, der voller Segnungen ist, vielleicht lag es auch an dem Schlafsaal, an der Groesse des weitem Raumes um mich herum, was eine willkommene Abwechslung zu den meist hier sehr kleinen Hotelzimmern, darstellt. In jedem Fall schlief ich fast 10 Stunden , und das obwohl ich es den meisten anderen Pilgern gleich tat und mich ohne einen Gang ins Bad, ohne Klamottenwechsel, einfach hinlegte und schlief. So simpel wie es klingen mag , habe ich es getan. Am liebsten waere ich im Innenhof direkt am Goldenen Tempel liegengeblieben. Unzaehlige Pilger schlafen hier direkt neben der goldenen Kuppel auf den Marmorboeden des Innenhofs. Die goldene Kuppel liegt wie auf einer Insel umgeben von Wasser in der Mitte des Innenhofes. Welch wunderbarer Schlafplatz sage ich nur. Ob alt oder jung, alle schlafen hier und warten vermutlich auf die erste Zeremonie des Tages, wenn das grosse Buch , aus welchem 18 Stunden am Tag, ohne Unterbrechung vorgelesen wird. Die erste Zeremonie beginnt dann gegen 4 Uhr.

Vielleicht werde ich morgen frueh daran teilnehmen, bevor es dann zurueck nach Delhi geht.

In jedem Fall ist dieser Tempel , neben dem Taj Mahal , eines der wunderschoensten Gebaeude, welche ich je wahrnehmen durfte. Ein Ort absoluten Friedens, der zum verweilen einlaedt. Ich bin dankbar ihn und mich hier erfahren zu duerfen.

~ von sylvines am Juli 10, 2008.

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